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Die beiden Mönche
Zwei weise alte Mönche waren viele Jahre lang nebeneinander
um einen See gelaufen. Das Umrunden des Sees dauerte genau eine
Stunde. Ihr Schweigen war so tief, dass sich eine Decke der Stille über
das Wasser gebreitet und die Oberfläche so sehr geglättet
hatte, dass sie wie ein Kristallspiegel geworden war, der ihre
langen Schatten reflektierte. Diese verschmolzen zu einer einzigen
dünnen Linie, nachdem sie den Lichtstrahl des Vollmondes überquert
hatten.
Zwei ihrer Schüler, die sich nach der Stille und Majestät
sehnten, die, wie sie fühlten, die ganze nächtliche
Natur durchdrang, beschlossen ihren erhabenen Meistern in gebührendem
Abstand nachzufolgen. Sie versanken tief in dem Bad aus gütiger
Kraft, die an die Stelle des Pfades getreten war. Doch
nach einiger Zeit verfielen sie wieder in törichtes
Geschwätz und sprachen über ihre Pläne für
eine glorreiche Zukunft, wobei der eine ein großer Krieger,
der andere ein erleuchteter Meister sein würde.
Eine Bewegung vor ihnen auf dem Pfad verwandelte sich rasch
in einen heftigen Sturm, genau an der Stelle, wo die beiden alten
Mönche vorher gewandelt waren. Die beiden Gestalten schienen
einige unsichtbare Feinde zu bekämpfen; sie durchtrennten
Stränge aus Dunkelheit, parierten, stießen zu, wehrten
ab, griffen an – Arme und Füße flogen in alle
Richtungen.
Ihre Angst wuchs, als die jungen Mönche einen Sog von dem
Kampf spürten, als ob Nabelschnüre sie mit dem Zentrum
des Chaos verknüpften. Als sie den Ort des Geschehens erreichten,
versperrten gestürzte Bäume ihnen den Weg. Das Schattenspiel
auf der Baumrinde hielt zwei entsetzte Gesichter fest. Eingeritzt
waren die Worte: auf diesem Pfad keine Kamera, keine Zukunft.
In der Ferne war ein Brückenbogen zu sehen, doch das andere
Ende war im aufsteigenden Nebel verborgen.
Zwei weise alte Mönche wanderten nebeneinander um einen
See…
Gaston
Saint-Pierre
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