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Der Alchemistische Prozess und die Metamorphische Methode
Es gibt verschiedene Bewegungen, die die Qualität unseres Seins offenbaren. Diese Offenbarung ist natürlich die Transformationsbewegung. Im alchemistischen Prozess gibt es zwei große Phasen mit jeweils drei Stadien. Sie heißen: solve et coagula, Dissolution (Auflösung) und Koagulation (Zusammenführung). Dieses Wissen ist relevant, wenn wir die Metamorphische Methode mit unseren Klienten praktizieren, denn diese befinden sich auf verschiedenen Ebenen in der Transformation ihrer Muster, wenn sie zu uns kommen.
Die erste Phase kann sehr schwierig sein, denn sie beinhaltet die Desintegration der Persönlichkeit, welche das Ego und den Verstand einschließt. Wenn die Elemente der Persönlichkeit anfangen sich aufzulösen, bedeutet dies, dass es immer weniger Bezugspunkte gibt. Ein Bezugspunkt können zum Beispiel die endlosen Aktivitäten des Alltags sein. Machen, machen, machen und zu erlauben, dass man von diesen Aktivitäten definiert wird. Das Wissen, dass wir eine Rolle im Leben haben, ist sehr angenehm; wir werden als diese Person erkannt, die diese Aktivitäten tut.
Was das Ego betrifft, so erfahren wir in den Workshops, wie wir es umgehen und gleichzeitig nutzen können. Dies geschieht, indem wir den Ausdruck „da ist“ verwenden statt „ich“ zu sagen, zum Beispiel: „Da ist Müdigkeit“ anstelle von „Ich bin müde“. Ist das Ego an seinen Platz verwiesen, werden die Energien der Aktivitäten, der Emotionen oder Gefühle nicht länger dafür benutzt, das Ego zu kräftigen. Indem man sagt: „Ich bin müde“, wird ein Teil der Müdigkeit dafür genutzt, das Überleben des Egos sicher zu stellen. Sagt man jedoch „Da ist Müdigkeit“, wird die Energie der Müdigkeit Nahrung für das Sein.
Auch der Verstand benutzt enorm viel Energie, um sein eigenes Überleben zu sichern. Wir umgehen den Verstand, indem wir an die Gefühle appellieren. Daher ist die Formulierung: „Fühlt es sich für mich richtig an, dahin zu gehen, dieses zu tun, jenen Menschen zu treffen … und so weiter“, so wichtig. Der Gebrauch des Wortes „richtig“ ist überaus bedeutsam, denn wenn wir auf das Prinzip Kommunikation / Kommunion / Harmonie Bezug nehmen, sehen wir, dass die Essenz dieses Prinzips die objektive Liebe ist, und der Zustand, der damit einhergeht, ist der Zustand der Gnade. Dieser Zustand ist präsent, wenn alles an seinen richtigen Platz fällt. Wir lassen die Aktivitäten los, um ins Handeln zu kommen. Handeln ist eine Bewegung des Seins, Aktivitäten sind eine Bewegung von Verstand und Materie.
Unsere Bedeutung als Praktizierende besteht darin, dass wir unseren Klienten das Gefühl der Kontinuität ihres Seins geben, während die Bewegungen ihres Seins in Auflösung begriffen sind. Dies kann durch unsere eigene Intensität des Seins geschehen. Um dies in einen Zusammenhang zu stellen, den wir alle erlebt haben, stellen wir uns den Übergang von Kindern zu Jugendlichen vor. In dieser Zeit steigt sehr viel Energie in ihrem Körper auf. Dies bedeutet, dass Elemente, die für das Kind von überragender Wichtigkeit waren, verloren gehen. Durch die Liebe der Eltern behalten die Kinder das Gefühl der Kontinuität ihres Seins.
Als Kinder steht uns ein völlig freies Terrain zur Verfügung. Das bedeutet, wir leben nahe an unserer angeborenen Intelligenz. Sehr schnell kommt es dann zu einer Verhaftung mit unseren Eltern. Diese werden zu unserem Bezugspunkt, vor allen Dingen die Mutter. Beim üblichen Gang der Dinge ist es die Funktion der Mutter, für das Kind bis zur Pubertät da zu sein. Und dann, von der Pubertät an, muss der Vater da sein. Er muss den Teenager in die soziale Struktur einführen. Durch den Spiegel, den andere uns ab unserer Jugendzeit zeigen, können wir eine Einsicht in die Qualitäten unseres Wesens bekommen. Was reflektiert der Spiegel? Er reflektiert die Gerüste, die wir seit unserer Geburt aufgebaut haben und wodurch unsere Persönlichkeit erschaffen wurde. Diese Gerüste nenne ich auch Bezugspunkte. Wir werden uns anderen gegenüber so verhalten, wie sich unsere Eltern uns gegenüber oder miteinander verhalten haben und auch so, wie sich andere unseren Eltern gegenüber verhalten haben. Diese Gerüste müssen gehen, und dass ist der Grund warum während der Workshops ab und zu einige Leute fühlen, dass ich schockierende Dinge sage, zum Beispiel, dass „wir unsere Eltern umbringen müssen“. Wir brauchen die emotionale Energie, die wir auf unsere Eltern projizieren, um damit zu beginnen, wirklich selbst zu unseren Eltern zu werden. Die Eltern können einfach gute Freunde bleiben. Die eigenen Eltern umzubringen, bedeutet viel mehr, als nur die emotionale Energie zu bewahren, um uns selbst Vater und Mutter sein. zu können, denn wir sind unsere eigenen Eltern. Das heißt, dass sich eine Zelle Ihres Vaters und eine Zelle Ihrer Mutter vereinigten und danach teilten. Und als Ihre Eltern in die Existenz kamen, waren es die Spermien der Grossväter und die Ova der Grossmütter, die sich auch geteilt haben. Dies bedeutet, dass wir unsere Vorfahren vernichten, aber unsere Vorfahren blieben am Leben Dank der Nahrung, der Pflanzen, der Mineralien, der Sonne, des Lichts usw. Dies bedeutet, dass sich aus der Zerstörung von Dingen die materiellen Elemente unseres Seins herausbilden. Das ist die Dissolution, auf die ich mich bezogen habe, aber das ist nur ein Bereich. Der andere Bereich ist das Leben und die Intelligenz, welche sich in jedem von uns inkarnieren, indem sie ihre Bewegung verlangsamen, um sich in Raum, Zeit und Materie zu manifestieren. Dies bedeutet, dieses Leben und diese Intelligenz sind durch alle Stadien subtiler Energien hindurchgegangen. Auch dies muss ausgelöscht werden. Dies nannte der heilige Johannes vom Kreuz dann „die dunkle Nacht“. Zuweilen begegnen wir dieser Leere im Zusammenhang mit dem Prinzip von Kommunikation / Kommunion / Harmonie, dessen Essenz die objektive Liebe ist. Objektive Liebe toleriert kein Objekt. Die Liebe zum Leben und die Liebe zum Licht vergehen. Wenn es zur Wahrnehmung dieser Dissolution und auch zur Wahrnehmung der Richtigkeit dieser Auflösung kommt, kann dies zu einer Verhaftung mit den Auflösungen führen. Auch diese Anhaftung wird gehen. In manchen Schriften wird dies die Dissolution der Dissolution genannt. Dies ist eine Zusammenfassung der drei ersten, untergeordneten Stadien.
Es ist wichtig, sich des Prinzips des Seins bewusst zu sein, wenn alle Anteile sich aufzulösen beginnen. Der Reichtum unseres Seins wird in seinem Ausdruck durch die Tatsache verringert, dass wir an der Kristallisation unseres Wesens in der Persönlichkeit festhalten. Persönlichkeit ist eine Art Schmuckkasten, der verhindert, dass der Reichtum unseres Seins ausgedrückt oder offenbart wird. Die Persönlichkeit kristallisiert die Elemente unseres Seins. Auf der einen Seite ist es wichtig, dass die Persönlichkeit einen wunderschönen, künstlerischen Ausdruck hat, aber auf der anderen Seite ist es auch lebenswichtig, dass wir uns dessen bewusst bleiben, dass all diese Ausdrucksformen oder Manifestationen im Bereich der Dualität geschehen. Die Desintegration der Persönlichkeit ist das erste Stadium.
Das zweite Stadium tritt ein, wenn wir zutiefst verstehen, dass all unsere Glaubenssysteme Unsinn sind. Unsere Gedanken geben unseren Überzeugungen Substanz. All diese Glaubenssysteme müssen verschwinden. Hier wird eine Bewegung des Herzens sehr wichtig, nämlich die Intuition. In Bezug auf die Intuition müssen wir jedoch sehr klar sein. Es gibt zwei Arten: die Intuition, die aus einem sublimierten Wissen kommt, und die Intuition, die eine reine Bewegung des Herzens ist. Wie unterscheidet man die beiden von einander? Die erste Art enthält immer ein Element des Zweifels. Die Intuition, die eine reine Bewegung des Herzens ist, gibt Impulse I und drängt zur Tat. Diese Tat ist eine schöpferische Handlung, d.h. sie ist ein Glaubensakt, ein Sprung ins Unbekannte, ohne die Sicherheit, dass wir unser Ziel erreichen werden. Es geht darum, sich fest an die Essenz zu halten, alle unsere verschiedenen Teile und unsere Glaubenssysteme loszulassen, damit unsere Essenz, die Essenz unseres Seins, aus den unterschiedlichen Aspekten unseres Wesens extrahiert werden kann. Wenn wir den Duft der Rose extrahieren möchten, wird die Rose dabei vergehen, und außerdem müssen wir extrem vorsichtig sein, damit sich dieser Duft nicht in Luft auflöst. Das bringt uns dazu, uns mit unserem reinen Bewusstsein zu identifizieren, welches die eine, einmalige Schwingung ist. Für dieses Bewusstsein sind Körper und Verstand das Vehikel. Reines Bewusstsein ist das Universelle Prinzip der Schwingung, und wir wissen, dass dieses Prinzip es ermöglicht, dass die Existenz in Bewegung versetzt wird. Dieses Prinzip wirkt im Bereich der Einheit, außerhalb vom Raum, Zeit und Materie.
Das dritte Stadium, nachdem ein Stadium vollkommener Indifferenziertheit durchlaufen wurde, so wie es die Raupe in der Puppe erfährt, ist sozusagen das Stadium des neu entstehenden Schmetterlings. Es kommt zu einer Identifikation mit der Essenz unseres Seins. Hier wird die Nichtverhaftung so besonders wichtig, denn sie erlaubt es uns, die Quelle des Lebens jenseits aller Form zu berühren. Nichtverhaftung wird definiert als: die Fakten bemerken, ihre Anwesenheit zur Kenntnis zu nehmen und sie in ihrem Sein auf sich beruhen zu lassen. Die Worte „bemerken und zur Kenntnis nehmen“ implizieren Wahrnehmung und Bewusstsein, „Fakten“ implizieren eine Kraft, „auf sich beruhen lassen“ impliziert Dualität, und das Wort „Sein“ ist die Quelle des Lebens, jenseits aller Form. Ein tiefes Gefühl des Friedens ist dabei vorhanden. Stellen Sie sich den Schmetterling vor, der gerade aus dem Kokon hervorgekommen ist mit all der Anstrengung, die das bedeutet. Dieser Schmetterling ruht sich aus. Da ist Frieden. Nicht Freude, sondern Frieden.
Nachdem wir in unserer Persönlichkeit und mit allen Überlebensstrategien vollkommen zerstört worden sind und auf alles verzichtet haben, sogar auf die Empfindung zu sein, und nachdem wir sogar auf das Verzichten verzichtet haben, was die dunkle Nacht der Seele und des Verstehens gewesen ist, durch welche der heilige Johannes vom Kreuz gegangen ist, dann kommen wir zum vierten Stadium. Dies ist das Stadium der Neu-Formung, des Koagulierens, der wahren Inkarnation. Vorsicht: nicht wir sind es, die sich neu formieren. Es kommt zu der Erfahrung einer Art Neugeburt, an der wir mit unserer Intention teilnehmen können. Aber was sich re-formiert, ist das Sein unserer Essenz. Nicht wir erschaffen neue Formen. Von nun an verstehen wir, dass die beiden Kräfte des Lebens am Wirken sind, die Auflösung und das Zusammenfügen (Koagulieren), was in der Form des Caduceus zum Ausdruck kommt.
Empfängnis, so wie wir sie im Pränatalen Muster studieren, ist der Berührungspunkt von allem, was vom Himmel herabsteigt (Vorempfängnis) und allem, was von der Erde aufsteigt (elterliches Erbe, welches in den Genen gespeichert ist). Doch jetzt befinde ich mich ausschließlich im Bereich der Einheit und beziehe mich auf das, was gleich geschehen wird. Unsere Körperzellen sind aber die Zellen unserer Eltern; die Zellen des Anfangs unserer Eltern waren die Zellen von deren Eltern. Auf diese Art und Weise können wir (mythologisch gesehen) bis zu Adam und Eva zurückgehen. Pflanzen ernähren sich von der Erde und den Mineralien und von der Luft, der Sonne und dem Licht. Und wir ernähren uns von den Pflanzen. Unser Erbe ist nicht nur das Erbe unserer Vorfahren sondern auch das aller Materie vom Anfang des Universums bis jetzt. Auf der anderen Seite fokussieren sich all die subtilen Bereiche, um einen neuen Menschen zu erschaffen. Wir haben daher die Energie und den Magnetismus von Erde und Materie, und auch diese, durch den Magnetismus angezogenen, subtilen Kräfte, die herabsteigen, um in der Zygote aufeinander zu treffen und jeder einzelne von uns zu werden. Dies geschieht bei der Empfängnis; in uns sind der Anfang des Universums und auch die Erinnerung an alle subtilen Ebenen enthalten. Dies ist das vierte Stadium, welches der Prozess der Re-formation ist. Transformation bedeutet die Inkarnation eines neuen Menschen. Der Verstand wird jedoch dazu tendieren, Barrieren gegen diese Wahrnehmung aufzubauen.
Das Gegenstück zur Dissolution ist die Re-formation, eine neue Formierung; die Elemente unseres Seins, die bedeutsam waren, sind vergangen. Es ist jedoch das Sein selbst, welches sich re-formiert, eine neue Form zusammensetzt. Im alchemistischen Prozess können wir das mit dem Gold vergleichen. Es gibt eine große Gewissheit, die auf dem wahrgenommenen Fakt basiert, dass die Person nichts und zugleich alles ist. Von daher ist es so wichtig, die Autonomie, die Autorität zu bekräftigen. Das wahre Selbst ist durch das Sein neu formiert worden. Hier begegnen Materie und Geist sich in unserem Sein. Diese Begegnung wird nicht länger von etwas Äußerem bestimmt. Es ist die Essenz, die sich direkt ausdrückt. Dies ist ein generelles Muster, dem wir alle begegnen, aber im allgemeinen werden die Menschen zwischen Glücklichsein und Depressivität schwanken, sie sind verwirrt, sie wissen nicht, was in diesen Momenten geschieht, nichts klappt, und dann wird sehr viel Energie dafür verwendet, den Status quo aufrecht zu erhalten. Wir halten an dem fest, was wir für gut halten oder was sich für uns okay anfühlt, und versuchen dass zurückzuweisen, was sich schlecht oder grässlich anfühlt. Wir leben unser Leben, wie man so sagt, aber das ist kein Leben. Der Roboter lebt unser Leben.
Was machen wir hier während eines Workshops? Wir informieren uns über diese Strukturen. Das bedeutet nicht, dass wir aufhören, diese Schwankungen zu erfahren. Wir begegnen ihnen jedoch bewusst, und wir beginnen wahrzunehmen, dass es tatsächlich tiefe Zustände der Leere gibt, die wir erleben können. Wenn wir diese Leere, diese Auflösung zu uns nehmen und einerseits wissen, was sie ist, und andererseits darauf achten, nicht an ekstatischen Zuständen festzuhalten, dann bewegen wir uns im Gleichgewicht voran. Wir müssen jedoch darauf achten, dass sich dieser Weg der Mitte, welchen wir im Alltag pflegen, nicht in einen Zustand der Dummheit umkehrt. „Vorsicht, man darf nicht ins Extrem gehen, bleiben wir bei einem behaglichen Leben.“ Wir sollten auch Extreme erforschen, um uns bewusst von ihnen zu lösen. Darum sind wir uns dessen bewusst, dass die Menschen um ihrer selbst willen zu den Sitzungen kommen. Die Tatsache, dass wir uns sehr klar darüber sind, dass wir diese Arbeit für uns selbst tun, ermöglicht die Entwicklung einer Intensität des Seins, welche in anderen eine tiefere Wahrnehmung ihres Seins aufleuchten lässt. Wir setzen wirklich den Satz um: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das Maß an Liebe und Aufmerksamkeit, dass wir uns selbst geben, ist genau das Maß an Liebe und Aufmerksamkeit, welches wir anderen geben werden.
Das fünfte Stadium ist das Stadium, in dem man seine eigene Autonomie und darüber hinaus seine Autorität ausdrückt. Hier ist es wichtig, unser neues Sein zu bekräftigen, denn es gibt immer eine Tendenz, zum Status quo zurückzukehren, zu dem, was vertraut ist, und sich dem Sog der Schwerkraft zu überlassen. Unsere Umwelt und Umgebung, unsere Freunde, die Familie und so weiter, werden Druck ausüben, damit wir zu dem zurückkehren, was sie kennen, womit sie vertraut sind. Deshalb ist es so wichtig, sehr aufmerksam und sehr gelassen zu sein. Bescheidenheit bedeutet jedoch keine Herabsetzung des eigenen Wertes.
Die Intensität des Seins ist wichtig, denn wo immer Sie sind oder mit wem auch immer Sie zusammen sind, Sie bringen Ihre innere Welt in jede Situation mit hinein. Wir begreifen dadurch, wie wichtig es ist, aufmerksam zu sein für das, was sich in uns abspielt. Falls Angst in Ihnen ist, bringen Sie die Energie der Angst mit. Angst ist eine Qualität mit wenig Bedeutung, aber was dahinter steht, ist die Energie selbst. Wenn Sie depressiv sind, ist da Depression, und diese ist ein minderer Teil Ihres Wesens. Wenn Sie sagen: da ist Depression, beziehen Sie sich auf die Energie, welche sich in dieser Form ausdrückt. Wenn es Freude in Ihnen gibt, ist die Freude eine kleine Eigenart ihres Wesens, aber was Sie vermitteln, ist die Energie, die dahinter steht. Das nennen wir Kraft. Dies bedeutet, dass Sie sich ständig innerlich in einer Kraftsituation befinden und vom Hause Ihres Seins aus handeln. Was haben andere davon? Andere erkennen, wie wichtig es ist, von ihrem eigenen Haus des Seins aus zu wirken. Sie erwecken deren Bewusstsein für die Bedeutung ihrer eigenen Kraft. Und die Vereinigung von Kraft und Bewusstsein ist Kommunikation in Einheit, und wenn es zu einer Kommunikation in Einheit kommt, geschieht Transformation. Damit haben Sie die Elemente dieser Gleichung. Manche Menschen bauen ihre Kraft auf, aber wenn sie sich der Art und Weise ihres Seins nicht bewusst sind, kann es keine Kommunikation geben. Andere sind sich ihrer Zwangslagen sehr bewusst, aber sie weigern sich, sich ihre Kraft anzueignen. Auch hier gibt es keine Möglichkeit zu einer Kommunikation in Einheit und damit auch keine Transformation.
Worin besteht der Unterschied zwischen Autonomie und Autorität? In der Transformation verschwindet die Autonomie, weil die Bezugspunkte verloren gehen. Wir können sagen, dass Autonomie bedeutet, für sich selbst eine Autorität zu sein. Autonomie ist die Fähigkeit oder das Recht, Selbstbestimmung auszuüben. Autonomie basiert auf Gesetzen. Das ist außerordentlich wichtig, weil dies die Erkenntnis beinhaltet, dass wir vollkommen allein sind. Mit anderen Worten, niemand kann für uns schlafen, atmen oder lieben. Wir tun dies für uns. Da ist diese tiefe Wahrnehmung eines völligen Alleinseins oder der Einsamkeit. Wir werden nackt geboren, wir sterben nackt und können nichts in unser Grab mitnehmen. Wenn es zu dieser Erkenntnis kommt, dass wir vollkommen allein sind, gibt es Autonomie. Das bedeutet, nach Hause zu kommen, in das Haus des eigenen Seins. Autonomie muss jedoch in der Dissolution enden, weil die Bezugspunkte, die wir für uns erschaffen haben, gehen müssen. Aber wenn es Dank des Seins und durch das Sein zu einer neuen Formation kommt, dann setzt Autorität ein. Das Wort Autorität kommt aus dem Griechischen, von autos und -ität. -ität bedeutet: zu etwas gehören oder in Verbindung sein, und autos bedeutet selbst, das wahre Selbst. Das hat nichts mit dem Ego zu tun. Es ist die Bejahung unseres Seins, indem wir die Frage stellen: „Fühle ich, dass dies für mich richtig ist?“. Darauf gibt es drei mögliche Antworten: Ja, nein, ich weiß nicht.
Lassen Sie mich etwas erzählen, was mir auf medizinischer Ebene passiert ist. Vor einigen Jahren fuhr ich abends in meinem Auto und verlor das Bewusstsein. Ich stieß auf den Mittelstreifen, kaum sofort wieder zu mir und konnte mein Auto in einer Nebenstrasse parken. Ich begriff, dass mein Körper nicht richtig funktionierte. Anschliessend musste ich wegen der Versicherung meinen Arzt aufsuchen, der mich an einen Neurologen verwies. Dieser diagnostizierte Epilepsie. Ich war nicht überzeugt. Er verschrieb mir Medikamente. Schließlich sagte meine Freundin, dass das Problem vielleicht mit einem zu niedrigen Blutdruck zusammenhängen könnte. Ich kaufte einen Blutdruckmesser und maß meinen Blutdruck, der ein wenig niedrig, aber okay war. Der Pulsschlag jedoch betrug nur 32 Schläge pro Minute. Ich führte ein Tagebuch und fand heraus, dass er zwei- bis dreimal pro Tag zwischen 32-35 Schlägen pro Minute oszillierte, während mein normaler Puls zwischen 60-65 lag. Ich ging wieder zu dem Neurologen. Ich zeigte ihm das Tagebuch, das ich drei Wochen lang geführt hatte, und er machte sofort einen Termin für ein Elektrokardiogramm. Das Ergebnis zeigte wieder einen sehr niedrigen Puls. Ich sollte einen Herzschrittmacher bekommen, aber ich war nicht überzeugt. Es wurde auch ein 24-stündiger kardiologischer Test durchgeführt, der zeigte, dass das Herz während der Nacht ein paar Sekunden lang ganz aufgehört hatte zu schlagen. Auf die Frage: „Ist es für mich richtig, einen Herzschrittmacher zu bekommen?“ lautete die Antwort Nein. Nach einer Reihe von Tests wurde es deutlich, dass ich meinen Ausgleichssport beenden musste, nicht wegen des Herzens sondern wegen der Müdigkeit. Später teilte man mir mit, dass das Elektroenzephalogramm gezeigt hatte, dass es im Gehirn kein Problem gab. Eines Tages bekam ich eine Massage, und der Masseur erzählte mir von einer Reinigungskur, die er gerade machte. Sofort fühlte ich, dass dies das Richtige für mich wäre. Ich erwähnte dem Kardiologen gegenüber, dass ich den Eindruck hätte, dass irgendetwas mit meiner Verdauung nicht ganz in Ordnung sei. Wieder durchlief ich eine Reihe von Untersuchungen, auch eine Endoskopie und eine Kolonoskopie, die nichts außer einem guten Zustand zeigten. Während der Sommerferien machte ich sieben Wochen lang die Reinigungskur, und mein Herz fing an, mit 55-60 Schlägen pro Minute zu arbeiten. Das Problem kam von einer Störung im Verdauungssystem.
Es ist extrem wichtig, nach innen zu horchen und zu fühlen, was sich für einen selber richtig anfühlt. Indem man vom Standpunkt der eigenen Autorität her lebt, wird es möglich, die Antwort auf jedes Problem zu finden. Wenn ich dies nicht getan hätte, würde ich jetzt Tabletten gegen Epilepsie nehmen, einen Herzschrittmacher und keinen Führerschein mehr haben.
Wir begeben uns gern an die Tafel der Götter, aber wir sind es zufrieden, mit den Brotkrumen, die vom Tisch fallen, gefüttert zu werden, wie die kleinen Tiere oder der Hund, die unter dem Tisch gefüttert werden. Die subtilen Wesen wünschen es jedoch, dass wir mit ihnen an ihrem Tisch sitzen, das heißt, dass wir erkennen, was wir wirklich sind, dass wir wie Götter an der Tafel der Götter sitzen. Doch der Verstand sagt nein, Vorsicht, das ist gefährlich. Der Verstand hat Recht, denn die Götter möchten uns aus zwei Gründen an ihrer Tafel haben. Erstens wollen sie einen echten Dialog mit uns, weil wir die Erfahrungen der Materie und die Wahrnehmung verschiedener Ebenen des Seins an diesen Tisch mitbringen; und das befriedigt ihre Neugier. Zweitens, und das ist der viel wichtigere Grund, möchten sie sich an uns laben, denn alle tiefer stehenden Seinsebenen sind dafür da, Nahrung für höhere Ebenen zu sein. Pflanzen, z. B. ernähren sich von der Erde und erfüllen damit eine spezifische Funktion, welche darin besteht, anorganische Materie in organische zu verwandeln. Tiere und Menschen essen diese Pflanzen. Der gleiche Prozess wird auf höheren Ebenen fortgesetzt, so dass wir von höheren Ebenen gegessen werden. Die Götter sind natürlich subtilere Ebenen unseres eigenen Seins. Dies ist eine andere Sicht der Dissolution. Was jedoch geschieht, ist, das Leben / Intelligenz sich selber erschaffen, indem sie sich durch den Menschen reformieren. Und auf diese Art und Weise werden wir Diamant-ähnlich oder zu Gold, das allerhöchste Ziel des alchemistischen Prozesses. In der Vergangenheit geschah dies mehr oder weniger alle hundert Jahre bei ganz bestimmten Individuen. Aber jetzt werden Gruppen von Menschen wie zu einem Diamanten mit vielen Facetten. Es gibt nicht viel zu tun, sondern „es“ wird getan. Wir können der Transformation nicht helfen. Das einzige, was wir tun können, ist, damit aufzuhören, Hindernisse in ihre Bewegung zu legen, und das geschieht Dank der Nicht-Verhaftung.
Das letzte Stadium besteht darin zu erkennen, dass es im Schmelztiegel unseres Seins zu einer Spiritualisierung der Materie und einer Materialisierung des Geistes kommt, d.h. es gibt eine Begegnung der Materie mit dem Geist und des Geistes mit der Materie. Dies erlaubt es uns, ein Leben zu leben, dessen Aktion ständig richtig ist, makellos. Wir Menschen können die vollkommene Balance zwischen beiden sein. Dieses Leben wird dann zu einem Akt der Liebe, wenn wir den Bereich der Dualität, von Zeit, Raum und Materie und den Bereich der Einheit außerhalb von Raum, Zeit und Materie an uns nehmen. Und das ist die Liebe, die Sie durch die Intensität Ihres Seins weitergeben können: im Leben und bei der Anwendung der Metamorphischen Methode.
Gaston Saint-Pierre
April 2007
Uebersetzung: Karin Monte und Christine Pieler
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