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Das Wunder der Schwangerschaft
Wenn wir uns ansehen, was zur Zeit in der Welt geschieht, ist
es einleuchtend, dass die Informationsflut, die wir erleben,
sich auch stark auf die Sensitivität eines Kleinkindes
auswirkt. Wie bereiten wir unsere Kinder am besten darauf vor,
mit den Umwälzungen umzugehen, mit den extrem schnellen
Neuerungen in der Technologie, der Konfrontation mit neuen
Wertsystemen und der Hinterfragung der alten Werte, vor allem
durch die Medien? Das digitale Zeitalter verlangt von unseren
Kindern ein anderes Bewusstsein.
Angehende Eltern stellen sich diese Fragen, und werden sich
stärker dessen bewusst, wie wichtig die vorgeburtliche Erfahrung
für ihr Kind ist. Ist es möglich, dem Kind im Mutterschoß ein
Gefühl der Sicherheit, der Erwartung, der Neugierde, des
Wunders mitzugeben? Das wachsende Bewusstsein über die weitreichenden
Auswirkungen der pränatalen Erfahrung auf ein neues Leben
kann nicht länger ignoriert werden. Wie kann der Kontakt
zwischen den Eltern und dem ungeborenen Kind verbessert werden?
Gibt es eine Möglichkeit, die Beziehung zwischen den angehenden
Eltern zu beeinflussen, um den Stress, den die Mutter möglicherweise
während der Schwangerschaft und Geburt erlebt, zu mindern?
Die Metamorphische Methode bringt eine Antwort auf all diese
Fragen. Diese Methode ist sehr einfach. Sie besteht aus einer
sehr zarten Berührung spezifischer Stellen an den Füßen,
den Händen und am Kopf. Es sind Stellen, von denen man weiß,
dass sie unsere eigene Schwangerschaftszeit reflektieren, die
Zeit, in der all die Charakteristika, mit denen wir heute unser
Leben leben, herausgebildet wurden. Ist es denkbar, dass die
Stresssituationen, Einschränkungen, Traumata, Gedanken,
Emotionen, und Gefühle, die die Mutter erlebt, im zellularen
Gedächtnis des Embryo und des Fötus gespeichert werden?
Und können derartige Einflüsse wieder aufgelöst
werden?
Man hat herausgefunden, dass die Lebenskraft der Mutter und
des Ungeborenen die Muster, die aus diesen Einflüssen entstehen,
nicht nur ändern sondern auch transformieren kann, daher
das Wort „Metamorphose“, welches wir in der Bedeutung
von „Verwandlung in eine subtilere Substanz“ verwenden.
Der Praktizierende der Metamorphischen Methode wirkt dabei wie
ein Katalysator. Indem er sich jeder Verhaftung enthält,
erschafft er ein Umfeld, das frei von jeder Richtungsvorgabe
ist.
Ein Paar versucht seit Jahren ein Kind zu bekommen. Sie bekommen
Sitzungen* mit der Metamorphischen Methode und ihnen wird diese
Methode auch gezeigt, damit sie sie zuhause austauschen können.
Sie lernen gemeinsam zu entspannen. Ihre Entscheidung, einander
Sitzungen (1) mit der Metamorphischen Methode zu geben, bedeutet,
dass es in beiden von ihnen eine innere Bereitwilligkeit gibt,
dem natürlichen Wandel ihrer Muster keine Hindernisse mehr
in den Weg zu stellen. Ein anderer Bewusstseinszustand kommt
zum Tragen. Wir können davon ausgehen, dass dieser aus der
Transformation einiger ihrer Charakteristika entsteht. Beide
erleben die Auflösung von Mustern, die einen freien Energiefluss
verhindert hatten. Die Frau wird schwanger.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Frau, die am Anfang der
Schwangerschaft die Arbeit mit der Metamorphischen Methode erlebt,
sich bereitwilliger an die weitreichenden Veränderungen
anpasst, die das Leben in ihr verfolgt. Wir können nur vermuten,
dass durch die Verwandlung einiger ihrer Charakteristika sich
etwas in ihr neu ausrichtet oder in Harmonie mit ihrer inneren
Richtung kommt. Im Ergebnis führt das z.B. dazu, dass Morgenübelkeit
seltener - wenn überhaupt - auftritt. Tritt diese dennoch
auf, findet die Mutter größere Kraftreserven in sich,
um damit umzugehen. Wir halten die Tatsache, dass jemand die
Metamorphische Methode in Anspruch nimmt, für den Ausdruck
einer unausgesprochenen Vereinbarung. Der Mensch sagt damit,
dass er willens ist, damit aufzuhören, der natürlichen
Transformationsbewegung Hindernisse in den Weg zu legen. In der
Natur geschieht Transformation automatisch und unbewusst. Ein
gutes Beispiel hierfür ist die Verwandlung von zwei unvollständigen
Zellen - Samen und Ei - in das Wunder eines Menschen.
Nach der ersten frühen Phase der Schwangerschaft durchläuft
der Körper der Mutter enorme physiologische Veränderungen.
Wenn sie weiterhin Sitzungen* wünscht und erhält, kommt
es auf der psychologischen Ebene zu einem Gefühl größerer
Sicherheit in Bezug auf ihre intuitiven Fähigkeiten, mit
verschiedenen Situationen umzugehen. Sie entwickelt eine Gewissheit
darüber, was für sie richtig ist und kann mit größerer
Tiefe und Klarheit verschiedene Eingriffe und Verfahren hinterfragen.
Mit dieser inneren Autorität erkennt sie auch die Wichtigkeit
richtiger Zeiteinteilung und ausreichender Ruhephasen. Es ist
so, als ob die Lebenskraft von Fötus und Mutter stärker
und harmonischer verbunden wären. Wenn der Vater auch die
metamorphische Methode erhält, entwickelt er eine größere
Akzeptanz für die Bedürfnisse seiner Frau und vor allem
ein Bewusstsein für seine eigene Rolle in dieser neuen Situation
- auch dafür, wie wichtig es ist, dass er diese Rolle auch
ausfüllt.
Macht der Fötus stoßartige Bewegungen, wenn die Mutter
zu einer metamorphischen Sitzung* kommt, ist es eine Freude zu
beobachten, wie schnell er sich beruhigt.
Während der Sitzung* scheint der Fötus darauf zu reagieren,
er fängt an, sich zu strecken und mehr Platz einzunehmen,
ohne der Mutter dabei Schmerzen zu verursachen. Der Bauch der
Mutter bewegt sich wellenartig unter dem Einfluss des offensichtlichen
Vergnügens, das der Fötus empfindet, wenn er den Raum
und die ihn umgebenden Grenzen erfährt.
Die Schwangerschaftszeit ist die Zeit, in der alle Charakteristika
gebildet werden, die uns physisch und auf den Bewusstseinsebenen
ausmachen werden; ebenso erfahren wir alle Einflüsse, die
wir brauchen, um unsere Bestimmung zu erfüllen. Wir setzen
diese Erfahrungen und Einflüsse zu unterschiedlichen Zeiten
in unserem Leben um. Diese (sogenannt negativen wie positiven)
Formationen sind nichts Absolutes. Ihre Energie kann gelockert
und von unserer Lebenskraft genutzt werden, um uns zu dem werden
zu lassen, was wir wahrlich sind, und um das Potential verwirklichen,
welches wir für das Universum darstellen.
Der Samen braucht eine Umgebung - die Erde - um sich in eine
Pflanze zu verwandeln. Der Metamorphiker stellt eine Umgebung
her, indem er mit Nicht-Verhaftung (d.h. ohne sich mit irgendetwas
zu identifizieren) an den Wirbelsäulenreflexpunkten arbeitet,
die auch die Muster reflektieren, die während der Schwangerschaftszeit
gelegt worden sind. In diesem bewussten Kontext kann die Lebenskraft
sowohl der Mutter als auch des Kindes direkt an ererbten Mustern
arbeiten, welche später im Leben zu ernsthaften Schwierigkeiten
hätten führen können. Oder sie kann diese auch
verwandeln. Sollten Probleme auftreten, ist die Mutter selbstbewusst
genug, ihrer eigenen Lebenskraft zu vertrauen, um ganz bewusst
medizinische oder andere Eingriffe von außen anzunehmen
oder abzulehnen. Dadurch kann die Weisheit des Körpers in
angemessener Art und Weise wirken.
Manchmal sind es die Väter, die darauf bestehen, dass die
Mütter metamorphische Sitzungen* bekommen, weil sie erkannt
haben, dass diese von unschätzbarem Wert sind. Natürlich
werden auch die Arztrechnungen dadurch gesenkt. Oftmals fühlen
der Gynäkologe oder der Hausarzt die Entschiedenheit der
Mutter, die Schwangerschaft ohne medizinische Interventionen
zu erleben und staunen ehrfurchtsvoll über das, was geschieht.
Während der letzten Schwangerschaftsmonate treten vielleicht Ängste
darüber auf, was die Zukunft bringen wird, ebenso wie Unruhe
und Aufregung, aber hinter diesen Gefühlen steht ein Gespür,
dass man stark genug ist, um mit allem umgehen zu können.
Auch das Gefühl dafür, was es bedeutet, Mutter zu sein,
wird stärker, zusammen mit der Freude, die in der Annahme
dieser Rolle liegt. Zuweilen fühlen sich Mütter des
Kontakts mit dem Fötus beraubt. Wenn sie dann die Metamorphische
Methode bekommen, erkennen sie, was für ein außergewöhnliches
Wunder in ihnen stattfindet und können danach eine Bindung
entwickeln, von der sie bis dahin keinerlei Vorstellung hatten.
Wenn sich mit der beginnenden Geburt die Kräfte der Natur
stärker durchsetzen, erleben wir in der Mutter die Bereitwilligkeit,
ganz bewusst mit diesen Kräften, die in ihrem Körper
arbeiten, mitzugehen. Es entsteht das sehr starke Gefühl,
dass die Lebenskraft von Mutter und Kind das Richtige im richtigen
Moment tun wird. In dieser Atmosphäre ist es für Hebammen
anscheinend leichter, klar und präzise zu handeln und nur
wenig zu intervenieren. Die angeborene Intelligenz zeigt den
Weg.
Psychisch instabile (Borderline) Mütter, die die Metamorphische
Methode bekommen, spüren sehr genau, dass tiefgreifende
Veränderungen geschehen können. Einige werden weitere
Sitzungen* ablehnen, aus Angst vor der möglichen Leere,
die eine Auflösung ihrer Muster mit sich bringen könnte.
Sie sind sich der Schönheit und Herrlichkeit der neuen Muster,
die diese Leere füllen würden, nicht bewusst. Andere
sind mutiger, verfolgen weiterhin ihre Sitzungen mit der Metamorphischen
Methode und werden bald erkennen, dass die körperlichen,
mentalen und emotionalen Veränderungen, die das Ergebnis
einer tiefgehenden Transformationsbewegung sind, den Anfang eines
völlig neuen Sein-Zustandes in ihrem Leben bedeuten.
Im allgemeinen haben wir bei den Menschen, die die Metamorphische
Methode bekommen, beobachtet, dass sich ein inneres Wissen und
eine spontane Weisheit einstellen, die sich nicht wieder verlieren.
Dies ist, unserer Beobachtung nach, verstärkt bei schwangeren
Frauen und hält sich auch nach der Geburt, gemessen am tatsächlichen
Verhalten der Mütter und laut ihren eigenen Erzählungen.
Das kann natürlich auch mit der Tatsache zusammenhängen,
dass die Geburt eines Babys etwas so Essentielles ist, dass alle,
die dabei sind, einen Hauch des Jenseits dabei spüren.
Jeder von uns hat die Sehnsucht nach Veränderung oder danach,
die verschiedenen Facetten des Lebens auf tieferen Ebenen zu
erfahren. Angehende Mütter - zumindest einige von ihnen
- erkennen, dass die Schwangerschaft ihnen eine kraftvolle Möglichkeit
gibt, alte Mustern, die schal und sinnlos geworden sind, hinter
sich zu lassen und ihr Leben auf eine ganz neue Art zu leben.
Die Forderung nach mehr Raum von Seiten des wachsenden Fötus
scheint in einigen Müttern ein Bedürfnis nach einer
neuen Ausrichtung auszulösen. Wenn sie diese Gelegenheit
wahrnehmen, können andere an ihnen ein Strahlen und eine
ruhige Gewissheit wahrnehmen.
Es ist für den Vater sehr befriedigend, für das Wohl
des Kindes und der Mutter etwas beitragen zu können, indem
er ihnen metamorphische Sitzungen* gibt. Zwischen diesen drei
Menschen im besonderen entsteht sehr schnell eine Bindung, die
auch die anderen Familienmitgliedern mit einschließt, wenn
z.B. die Geschwister darum wetteifern, Sitzungen* geben zu dürfen.
Die Beobachtung zeigt, dass die Babys, deren Mütter während
der Schwangerschaft die metamorphische Methode bekommen haben,
sich ihrer Umgebung und der darin enthaltenen Stimulierung sehr
bewusst sind. Sie haben eine klaren Blick und reagieren fast
sofort auf die Gegenwart oder die Stimme der Hebamme, die die
Sitzungen* gegeben hat. Die Kinder haben einen besseren Kontakt
mit ihren instinktiven Bedürfnissen und beruhigen sich in
Stressphasen sehr schnell, sobald die Mutter oder jemand anderes
Füße, Hände und den Kopf sehr zart auf metamorphische
Art und Weise berühren.
Die Metamorphische Methode könnte es den Hebammen ermöglichen,
die angehenden Eltern für das Wunder zu öffnen, das
im Entstehen eines Babys und im Menschsein liegt. Insgesamt sind
diese „Fuß-Kinder“, wie manche Leute sie gern
nennen, fähiger, mit den Anforderungen des Lebens umzugehen,
und sie tun dies mit großem Selbstvertrauen. Es wird oft
berichtet, wie vielseitig diese Kinder sind. Als junge Erwachsene
wissen sie, was sie wollen, und lassen sich vom Gruppendruck
ihrer Kameraden nicht so leicht beeinflussen. Sie ziehen es vor,
allein zu sein, statt ihre Integrität aufzugeben. Dürfen
wir davon ausgehen, dass sie dieses Gefühl der Integrität
aus ihrer pränatalen Erfahrung beziehen?
Gaston Saint-Pierre und Martina Reineke (Hebamme)
Oktober 2001
(1) Die Metamorphische Methode ist eine Methode und versteht
sich nicht als Therapie oder als medizinische oder anderweitige
Behandlung. Es geht ihr nur um einen bestimmten berührenden
Kontakt zwischen zwei Menschen, durch den die inneren Kräfte
des Lebens angeregt werden. Im englischen Originaltext wird
das Wort „Behandlung“ (treatment) niemals benutzt,
sondern immer das Wort „session“, ein Wort, welches
sich im Deutschen langsam als „Sitzung“ durchsetzt.
Auch wenn es häufig nicht so schön klingt, sind wir
mehrfach bei diesem Ausdruck geblieben, um nicht durch das
Wort „Behandlung“ inhaltlich in eine falsche Richtung
zu weisen.
Übersetzt von Christine Pieler und Karin
Monte,
www.wegdermitte.de
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