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Wie damals - so jetzt, wie innen - so außen
Was erschaffen wir in der Dunkelheit des Mutterleibes? Für
welche Funktionen sind diese Organe vorgesehen? Können ihre
Mühen vorgesagt werden, ist ihre Arbeitslast bekannt?
Welche Zukunft erwartet uns? Eine Zukunft, die vom Bewusstsein
unserer Zellen schon wahrgenommen wird, unseren sich erst entwickelnden
Sinnen jedoch noch verborgen ist?
Die Morgendämmerung hat die Fähigkeiten des zukünftigen
Kindes noch nicht erweckt. Jedoch, es ist die Sonne, die an der
Schwelle der Organbildungen steht: Das Licht selbst organisiert
die Reihenfolge der Zellenbildung, das Licht, aus welchem die
Zellen bestehen. Ein im Entstehen begriffenes Universum entwickelte
sich im dunklen Schoß unserer Mutter: der Ruf des Neuen,
aus dem Chaos hervorkommend, ehrfurchtgebietend in seiner Reichweite
- ein Klopfen an der Tür der Materie. Wozu wurden diese
leeren Räume kreiert: im Schädel als Nebenhöhlen,
in der Brust als Lungen, im Becken als Gebärmutter? Die
singuläre Gebärmutter, Trägerin der Dunkelheit,
wiederholt die Singularität der Zirbeldrüse: Kelch
des Lichts, bereit, noch weit mehr Licht zu empfangen.
Wusste das Körperbewusstsein im Fruchtwasser, dass die Lungen
für die Atmung vorbereitet werden, dass sich die Gebärmutter
danach sehnt, mit neuem Leben angefüllt zu werden? Unbewusst,
natürlich und automatisch wurden die Organe in einem flüssigen
Lebenselement für ihre zukünftigen Funktionen vorbereitet.
Die sich entfaltende Gegenwart "kannte" das zukünftige
Ergebnis. Indem sich die Zellen auf eine ganz bestimmte Art und
Weise organisierten, waren sie sich instinktiv ihrer Bestimmung
bewusst.
So war es damals, und jetzt, was ist nun? Welche - schon im Herzen
der Zellen eingeschriebene - Bewegung des Seins sehnt sich nach
Offenbarung? Welche Geburt haben wir seit der Geburt vorbereitet?
Wenn unsere Bestimmung im Ursprung unserer Anlagen schon enthalten
ist, welcher Schrecken muss dann besänftigt werden, damit
wir zum Licht durchbrechen, zum Leben? Wird das so erweckte Licht
auf blinde animalische Gelähmtheit stoßen? Wird das
Tosen der werdenden Schöpfung auf ein zahmes Wimmern reduziert
werden? Wenn wir unsere Bestimmung nicht annehmen, ist dann der
Glanz der Materie, die sich ihrer selbst als Mensch bewusst ist,
dazu bestimmt, zum Humus weit entfernter erwachter Universen
zu werden?
Können wir - neben dem Kosmos stehend (welch Arroganz!)
- die sich ständig wiederholenden Zyklen in ihrem kosmischen
Spiel anhalten? Können wir den Kosmos dazu bringen, uns
- in erneuerter Kommunion - mit neuen Einsichten zu versorgen?
Können wir als außenstehende, fremde, winzige Universen,
die sich gerade bilden - neue Architekturen der Knochen, Sehnen
und Haut - zugleich Gefäß und auch Inhalt - das Universum
mit unserer Schubkraft dazu anspornen, sich selbst zu erneuern,
indem es seine Größe ausdehnt, indem es mehr Raum
erschafft, genau den Raum, den die Anwender als Katalysatoren
für ihre Klienten zur Verfügung stellen?
Sie und ich - wir waren im Mutterschoß. Ohne es zu wissen,
ließen wir das Leben durch das filigrane Netz der Venen
und Arterien fließen - so wie wir es heute noch tun. Wir
ließen den Atem durch das kosmische Gitternetz strömen,
welches von inneren, zum Leben erweckten Sinnen wahrgenommen
wurde. Wir erschaffen Organe, die bisher noch sinnlos zu sein
scheinen und deren unbekannte Funktion den Glanz, die Herrlichkeit
und Schönheit des Lebens und der Intelligenz offenbaren
werden, die wir bei unserem Anfang waren und die wir heute sind
- wenn wir dieses Leben, diese Intelligenz zulassen, wenn wir
sie jetzt zulassen, wenn wir sie zulassen. © Gaston Saint-Pierre / Dezember 2003
Ü bersetzung: Christine Pieler und Karin Monte
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